Eutonie und Feldenkrais

Im heutigen Leben sind wir meist mit unserer Aufmerksamkeit ausserhalb unseres Körpers unterwegs. Viele wenden ihre Aufmerksamkeit erst dann dem Körper zu, wenn etwas nicht mehr ‘funktioniert’ oder Schmerzen empfunden werden. Wer etwas für sich selbst tun will, kann hier reichlich Anregungen finden.
Mein Weg führte mich durch verschiedene Körperarbeitsweisen. Angefangen hat es mit Eutonie, über Yoga kam ich zu Feldenkrais und am Ende stand wieder die Eutonie.
Feldenkrais und Eutonie, die beiden Methoden, die mich am meisten beeinflusst haben, werden oftmals verglichen als die männliche und die weibliche Seite einer Medaille. Eutonie mit Freiheit, klare Definition in der Arbeit mit Kontakt. Improvisation und Knochenarbeit; Feldenkrais mit strukturierten Bewegungsfolgen und damit neue Bewegungsmöglichkeiten, klare Definition in der Bewegungsrichting. Die Übungseinheiten sind in kleine, auf einander aufbauende Schritte unterteilt.
Beide beschäftigen sich mit der Aufmerksamkeit, beide beeinflussen das Nervensystem. Eutonie ist oftmals eine ruhigere Arbeit, Feldenkrais bietet zumeist mehr und größere Bewegung an. Auch wenn das durchaus mal umgekehrt sein kann, zum Beispiel in der Bewegungsimprovisation in der Eutonie. Zu den Kurs-Teilnehmer*innen gehörten Menschen aller Alters- und Berufsgruppen, Kranke sowohl wie Gesunde. Jede Person kann neue Möglichkeiten für sich finden, im Bewegungsablauf und dann auch im Alltag.

Wie wirken Eutonie und Feldenkrais?

Eutonie-Übung mit Kirschkernkissen

In der Eutonie beachten wir, wie Bewegungen sich auf das Körperempfinden auswirken und wie sich unsere Spannungs- und Stimmungslage durch sanfte Übungen ändern. Jede Bewegung kann genutzt werden, um den Tonus (= Spannung) zu beeinflussen. Dies bezieht sich auf Muskelspannungen sowohl wie auch die innere Gestimmtheit. Auch die Faszien, die unseren ganzen Körper durchziehen, werden immer schon in die Arbeit mit einbezogen.
In Feldenkrais lassen wir uns auf Bewegungen ein, die bisher nicht Teil unseres Bewegungsrepertoires waren. Wir lernen zu unterscheiden zwischen bequem und unbequem, unbequem und ungewohnt und definieren für uns selbst, welche Bewegungen und Positionen für uns angemessen sind und uns gut tun. Wir erfahren, wie Bewegungsabläufe unser Selbstempfinden beeinflussen.

Für beide gilt: Sich wieder in seiner Haut wohl fühlen, die eigenen Grenzen auch als Schutz erfahren sind Beispiele dafür, was  diese Arbeit anbietet. Im Knochengerüst liegt Stabilität und ermöglicht ein Vertrauen in die eigene Struktur. Das erleben der Schwerkraft und ihre Auswirkungen auf Körper und Bewegungen ermöglicht, wieder beweglicher zu werden. Gestärktes Vertrauen in den eigenen Körper und mehr Sicherheit im Umgang damit gibt Selbstvertrauen, was dann einen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit hat. – Es ist eine Einladung, sich selbst näher kennen zu lernen und wieder zu sich selbst nach Hause zu kommen. Im Gruppenunterricht oder in Einzelstunden.